Als Feriendestination würde ich Burney, Kalifornien, ähnlich hoch bewerten wie etwa Egerkingen oder Sihlbrugg. Entsprechend froh war ich, als sich nach 5 Tagen meine Körpertemperatur langsam wieder auf Normalwerte zu senken begann. Leider stieg parallel dazu die Außentemperatur in ungesunde Bereiche. Genau an dem Tag, als eine Rückkehr auf den Trail erstmals möglich schien, erreichte die Hitzewelle mit Temperaturen um die 40 Grad ihren Höhepunkt, und da schien es mir doch besser, noch einen Tag zuzuwarten. Aber dann gings raus.
Wenns länger bergauf ging, gings rasch mal bergab mit der Kondition.
Der Hitch raus zum Trail klappte problemlos, und um die Mittagszeit war ich endlich mal wieder in der Natur unterwegs. Es war immer noch brütend heiss und ich liess es bewusst ruhig angehen. Die Kombination von Festival und Corona hatte dazu geführt, dass ich in den letzten 12 Tagen nur gut 24 Stunden auf dem Trail verbracht hatte, und das spürte ich deutlich. Wenns länger bergauf ging, gings rasch mal bergab mit der Kondition, und irgendwann kam dann auch der eine oder andere Hustenanfall. Aber es war ein gutes Gefühl, endlich mal wieder in Bewegung zu sein. Nach gut 20 km erreichte ich ein hübsches Flüsschen, hing dort ein bisschen rum und füllte meinen Wasservorrat auf. Eigentlich wollte ich danach noch ein paar Meilen weiterlaufen, aber kaum war ich wieder gestartet, erspähte ich ein schattiges Zeltplätzchen mitten im Wald, und das wars dann. Insgesamt war ich unter den Umständen durchaus zufrieden mit dem Neustart, und setzte mir für den nächsten Tag eine Distanz zwischen 20 und 25 Meilen zum Ziel. Es war immer noch heiss, aber der Weg führte auf weiten Strecken durch Wald und es ging auch wieder ein bisschen in höhere Gebiete, deshalb fühlten sich die Temperaturen insgesamt recht angenehm an. Nach 22 Meilen ziemlich stressfreien Meilen war auch dieser Tag Geschichte, und im gleichen Stil ging es weiter: viel Wald, auch ziemlich viele Höhenmeter aber immer nur leicht ansteigend oder abfallend und sehr oft ein angenehmer Untergrund – so lässt sichs wandern. Diesmal brachte ich es auf 27 Meilen, und generell fühlte ich mich von Tag zu Tag etwas besser. Ich war nun noch knapp 30 Meilen von Mount Shasta entfernt, dem nächsten Verpflegungsstopp, und damit auch tags drauf wieder völlig entspannt unterwegs – die ganze Strecke am Stück zu bewältigen, nur um dann irgendwann nach Ladenschluss in Shasta einzutreffen, machte keinen Sinn, und so gesehen war es ziemlich Wurst, ob ich nun 18 oder 25 Meilen zurücklegte – ich würde auf jeden Fall am folgenden Tag zu einer vernünftigen Zeit dort eintreffen. Als ich kurz nach Mittag bei einem Verzasca-mässigen Badefluss eintraf, legte mich deshalb gemütlich für fast 3 Stunden an die Sonne und zwischendurch ins Wasser – selten hat sich der PCT so sehr nach Ferien angefühlt. Danach gab ich wieder etwas mehr Gas, und am Schluss waren es trotzdem wieder gut 23 Meilen, als ich an einem weiteren ruhigen Zeltplatz mit hübscher Aussicht eintraf. Ich bin momentan immer wieder überrascht, wie viele attraktive und in der PCT App hoch gelobte Campsites selbst spät abends noch frei sind. Generell trifft man im Moment ohnehin nicht allzuviele Hiker an, oft dauert es mehrere Stunden bis man mal wieder jemanden sieht. Einerseits sind mittlerweile doch schon einige auf der Strecke geblieben, andererseits haben sich auch viele in Gruppen zusammengeschlossen, und das vergrößert die menschenfreien Zonen merklich. Am Morgen drauf stand somit nur noch ein 5 Meilen Spaziergang bis zur Autobahn-Einfahrt Richtung Mount Shasta auf dem Programm, und dort wartete auch bereits ein Trail Angel auf Kundschaft.
So sass ich schon um 9 Uhr mal wieder vor einem allzu üppigen Ami-Frühstück, dass diesmal auch einen French Toast umfasste, wobei kein Franzose auch nur die geringste Ahnung hätte, was man ihm da andichtet. Das Wort „French“, so habe ich mittlerweile gelernt, hat im Amerikanischen keine geografische oder ethnologische Relevanz, sondern dient einzig dazu, kulinarische Produkte qualitativ zu legitimieren. Von Toast und Rolls über Butter und Vanilla bis zu Cookies gibts kein ein Nahrungsmittel, das nicht auch in einer französischen Version einen Haute-Cuisine-Anspruch zu suggerieren versucht. But I digress. Mount Shasta, am Fuss des gleichnamigen, über 4000 Meter hohen Berges gelegen, beansprucht für sich, die spirituelle Hauptstadt der Welt zu sein. Es gibt hier eine Community, die gemäss eigenen Aussagen in der 5. Dimension lebt, und das macht den Shopping Spaziergang in der dreidimensionalen Welt phasenweise zu einer einigermassen unterhaltsamen Angelegenheit. Aber grundsätzlich waren die letzten Tage erfreulich undramatisch, und nun gehts bereits wieder auf die nächste 100-Meilen-Etappe. Wenns danach wieder nicht allzuviel Spektakuläres zu berichten gibt, soll mir das durchaus recht sein. Schaunwamal.



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